Ich bei Dir, Du bei mir – zwei Wohnungstauscher erzählen

Wir lieben reisen! Wo und wie – da sind wir aufgeschlossen und flexibel. Strandhütte auf Bali, Finca auf Mallorca, kleine Hütte in Österreich, Zelt in Holland, Airbnb-Wohnung in Kopenhagen. Alles schon getestet. Was wir aber alle drei noch nie ausprobiert haben – einen Wohnungstausch. Dabei ist es doch so praktisch. Überall auf der Welt leben Menschen, die das machen. Und da ist doch bestimmt auch jemand dabei, der unbedingt mal nach Deutschland kommen will. Kommt also auf die „Bucket List“. Vorher sprechen wir schon mal mit zweien, die schon des öfteren Wohnungen getauscht haben und quasi für eine zeitlang in das Leben anderer geschlüpft sind. Jessica Braun und Christoph Koch, Journalisten und Autoren aus Berlin.

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Ihr zwei habt inzwischen schon ein paar Mal Wohnungen mit anderen getauscht. Wie oft genau und wo seid ihr überall gewesen?

Bisher haben wir elfmal getauscht. Wir waren in Kopenhagen/ Dänemark, Princeton/ USA, Barcelona/ Spanien, Stockholm/ Schweden, Oaxaca/ Mexiko, Oakland/ USA, Paris/ Frankreich, Perth/ Australien, High Wycombe/ England, Calgary/ Kanada und Turin/ Italien. Als wir vor einigen Wochen ausnahmsweise mal einen „normalen“ Urlaub mit Hotelübernachtungen gemacht haben, war eine Familie aus dem amerikanischen Woodstock bei uns zu Gast. Bei denen haben wir nun also gewissermaßen einen Aufenthalt gut. Denn meistens tauschen wir synchron, sind also zur gleichen Zeit bei den Tauschpartnern wie die bei uns. Man kann aber auch zeitversetzt tauschen.

Wie seid ihr denn überhaupt auf die Idee gekommen?

Wir hatten im Blog eines Journalistenkollegen darüber gelesen. Der schrieb, dass er mit seiner Familie eigentlich nur noch auf diese Art verreist, weil in einer Wohnung oder einem Haus einfach mehr Platz ist als im Hotel – und oft auch Spielsachen für die Kinder vorhanden sind. Außerdem zahlt man nichts für die Übernachtung und kann deshalb vielleicht ein paar Tage länger bleiben oder einmal öfter wegfahren. Das leuchtete uns sofort ein. Wir haben es dann für ein langes Wochenende in Kopenhagen ausprobiert und fanden es super.

Bei einem Haus- und oder Wohnungstausch muss ja schon vieles passen. Der Zeitraum, der Ort. Wie genau funktioniert die Suche? Wie flexibel muss man sein?

Für Haustauscher gibt es eine ganze Reihe Portale wie intervac-haustausch.de, haustauschferien.de oder homelink.de, die dabei helfen, Tauschpartner zu finden. Man erstellt ein Profil für seine Wohnung oder sein Haus, beschreibt das eigene Zuhause und sich selbst, wohin man gerne tauschen möchte und wann und lädt ein paar möglichst ehrliche aber gute Fotos hoch. Dann kann man entweder abwarten, bis jemand einen anschreibt – so machen wir das meistens – oder sucht mittels Filtern selbst. Flexibilität ist auf jeden Fall von Vorteil – vor allem beim Reiseziel. Je festgelegter man ist, desto kleiner wird die Auswahl. Wir fahren aber auch gerne an Orte, die keine klassischen Tourismusziele sind. Bisher hat es uns überall gefallen.

Was hat eine getauschte Wohnung, was ein Hotel/eine Ferienwohnung nicht hat?

Persönlichkeit. Hotels sind ja letztlich so gemacht, dass sie möglichst ähnlich und austauschbar sind (zumindest innerhalb der verschiedenen Preisklassen). Egal, ob in Kuala Lumpur oder Dresden: Man soll sich schnell zurechtfinden. Ferienwohnungen (ob klassisch oder via Airbnb) versprechen zwar Individualität, sind aber oft auch sehr austauschbar eingerichtet (IKEA) und nicht mehr von Einheimischen bewohnt, sondern nur noch von Gästen auf der Durchreise. Entsprechend langweilig sehen sie dann oft auch aus.

Man lernt bei einem Wohnungstausch ja auch die Menschen hinter der Wohnung kennen. Gab es da besondere Begegnungen?

Oft treffen wir unsere Tauschpartner gar nicht in echt, sondern skypen vorher mal und deponieren dann die jeweiligen Schlüssel. Dann lernt man sich wirklich nur durch das Domizil der anderen kennen. Wobei da Familienfotos, Bücherregale, Einrichtungsgeschmack und so weiter ja doch eine ganze Menge über die Bewohner verraten. Manchmal haben wir auch schon unsere Tauschpartner getroffen – alles nette, aufgeschlossene und hilfsbereite Personen. Sonst würden sie diese Art von Reisen wohl nicht machen. Manchmal übernimmt man beim Tauschen auch den Freundeskreis: Als wir vorletztes Jahr über Weihnachten in Australien waren, haben uns beispielsweise Freunde unserer Tauschpartner zum Weihnachtsessen eingeladen. Das sind Kontakte, die man als Tourist, der in Hotels absteigt, nicht so einfach schließt.

Ihr lebt in fremden Wohnungen, fremde Menschen leben im Gegenzug in Eurer Wohnung. Hattet ihr jemals irgendwelche Sorgen/Bedenken bzw. ein komisches Gefühl?

Vor dem ersten Tausch haben wir uns gefragt: „Was machen wir denn mit unseren Wertsachen?“. Dann haben wir gemerkt: „Hey, wir haben gar keine richtigen Wertsachen.“ Keine teure Kunst an den Wänden und keine millionenschwere Münzsammlung im Schrank. Bisher ist in unserem Haushalt bis auf eine Tupperschüssel auch noch nie etwas kaputtgegangen. Und was das Gefühl betrifft, dass jemand anderes in unserem Bett schläft oder von unserem Tellerchen isst: Wir denken auch bei Parkbänken nicht drüber nach, wer dort schon gesessen hat. In Hotelbetten hat ja auch schon jemand anderes geschlafen und aus Restaurantgläsern hat sich zuvor schon jemand anderes betrunken.

Was war das bisher schönste/beste Erlebnis? Die beste Wohnung?

Im kalifornischen Oakland hatten wir ein Haus mit Katze. Wir waren für drei Monate dort, haben den Winteranfang ein wenig hinausgezögert. Die Katze wuchs uns schnell ans Herz und so fühlte es sich an als wären wir dort richtig zuhause. Das war eine wundervolle Zeit.

Gibt es schon Pläne für den nächsten Wohnungstausch?

Ja – schon sehr bald. Ab April sind wir für drei Monate in Innsbruck in einem wundervollen Haus. Die Berge vor der Tür, bestes österreichisches Essen auf dem Teller – wir freuen uns schon riesig!

Mehr zum Thema Wohnungstausch, inklusive ausführlicher Beschreibungen und praktischer Checkliste für alle, die es selber ausprobieren wollen, gibt es im Buch von Jessica Braun und Christoph Koch: „Your Home Is My Castle – Als Wohnungstauscher um die Welt“. Erschienen im Malik/Piper Verlag, 256 Seiten (mit Fototeil und Karte), 16 Euro.

Alle Infos und eine kostenlose Leseprobe gibt es hier.

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