Ein geteilter Baum und Veggie-Truthahn: Deutsch-amerikanische Feiertage

Nicht mal mehr zwei Wochen bis Weihnachten und das schönste ist für ihn quasi schon vorbei.

Aber der Reihe nach: Mein Mann, der Ami, hat mir diesmal etwas in den Schuh gesteckt. Am Nikolaustag!! Whoa! (Amis feiern keinen Nikolaus! Und ich habe nie etwas in meinem Schuh stecken. NIE!) Meine große Tochter (7) hatte diesmal darauf bestanden, dass Mama auch ihre Stiefel rausstellt. Die großen. Und – surprise, surprise! Er hat an mich gedacht, der Nikolaus. Da war tatsächlich auch was für mich drin. SCHOKOLADE! Yay!

Aber, jetzt wirklich der Reihe nach. Für meinen Mann, den Ami, fängt die Weihnachtszeit eigentlich schon viiiiiel früher an. (Amis – müssen immer alles größer, dicker, länger machen!) Nämlich an: THANKSGIVING! (Immer am 3. Donnerstag im November). Es ist sein ALLERLIEBSTER Feiertag. Besser noch als Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Was mache ich also seit Jahr und Tag unseres Zusammenlebens? Richtig, ich bestelle in der Woche vorher einen Truthahn. Meist 6 Kilo. Manchmal 7 – dann wirds aber knapp, weil der Ofen zu klein. Einen glücklichen Truthahn. Bio. Von einem kleinen Hof in Hessen.

Das schönste an dieser Geschichte: Mein Mannn ist VEGETARIER. Ein Leben in Widersprüchen. Truthahn gehört für ihn nämlich trotzdem dazu. Basta.

An Thanksgiving selber geht es früh los. Von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends wird an diesem ehrwürdigen Tag gekocht und gebacken in unserem Haus. Gehört auch dazu, sagt mein Mann. Ich könnte auf alles verzichten und direkt zum Wein schreiten, aber gut. Hat ja auch etwas meditatives. Uncool fand mein Mann dieses Jahr, dass ich ihm an diesem heiligen Tag anderthalb Stunden Vater-Pekip aufs Auge gedrückt habe (Es war eine Mehrheitsentscheidung der Pekip-Mütter, es auf diesen Tag zu legen. Was soll ich machen???).

So musste er mittags seine 5-Gänge-Menü-Vorbereitungen (nämlich: mashed potatoes, green bean casserole, cranberry sauce, stuffing, mushroom pie (für die beiden Vegetarier am Tisch) pumpkin pie, corn etc.) unterbrechen und dafür mit 5-7 nackten Babis (eine… sagen wir… BEFREMDLICHE Vorstellung für ihn, den Ami) abhängen und Lieder singen. War nicht so cool, ich gebe es zu. Nächstes Jahr passiert das nicht wieder. Versprochen.

Thanksgiving bei uns, die keine Familie in der Nähe haben, ist eher ein „Friendsgiving“. Dieses Jahr war es eine eher kleine Runde, wir hatten 12 Gäste – darunter 4 Kinder zwischen 11 Monaten und 7 Jahren. Ansonsten: liebe, alte Freunde und relativ neue (und sehr tolle!!!) Nachbarn. Die größeren Kinder saßen an einem Extratisch (gute Entscheidung). In früheren Jahren (ohne neues Baby) haben auch mal 20+ Leute in diversen Tischkonstellationen bei uns im Wohnzimmer Plaz gefunden. Eng aber gemütlich. Und fröhlich. Und… hach! Da saßen Freunde, Kollegen, Nachbarn, Babysitter.

Nächstes Jahr wollen wir die Runde wieder erweitern. Essen gibts eh genug. Und in so großer Runde zusammenzusitzen im eigenen Wohnzimmer ist anders, besonders. Crew Love. ❤

Diesmal sind die letzten Gäste morgens um halb zwei gegangen. Unsere ältesten Freunde in Frankfurt (er Schweizer, sie US-Russin, auch ne geile Kombi!!) die wir viel zu selten sehen. Allein deswegen macht Thanksgiving Spaß: Menschen zeigen, dass sie einem wichtig genug sind, dass man 10 Stunden für sie kocht. (Und wenn man die Hilfe der eingeladenen Nachbarn braucht, um ÜBERHAUPT alles rechtzeitig auf den Tisch zu bekommen. Danke, Anneke und Rick! Bei unseren  holländisch-amerikanischen Nachbarn lief nachmittags der Ofen noch 2 Stunden mit UNSEREN Pumpkin pies). Zeitmanagement wird groß geschrieben in unserem Haus. Nicht!! Haha.

Die größte Hürde steht uns aber noch bevor: Christmas Decorations. Kennt ihr  noch diesen Cartoon? Er ist schon ein paar Jahre alt. Aber ich LIEBE ihn immernoch, kann ihn auswendig mitsprechen, er trifft meinen Humor und, viel wichtiger: unseren Konflikt AUF DEN PUNKT!

Kurz zusammengefasst und ja- völliges Klischee! Er: der linke Baum, im all-out-Dekowahn. Ich: der rechte, eher  minimalistisch unterwegs. Christmas Decorations bei mir: Vielleicht ein einzelner Tannenzweig. Mit einem wohlkuratierten Anhänger. That’s it!!!!! Bei ihm: Give me all the sparkly things!! 😀

Wir haben vergangenes Wochenende einen Weihnachtsbaum geholt. Bzw – wir, nein, ER hat ihn geschlagen. Eine lieb gewonnenen Tradition in unserem Haus. Dafür fahren wir auch von Frankfurt ne halbe Stunde mach Darmstadt, ins Forsthaus Kalkofen, besuchen die Rehe, machen Stockbrot, wärmen uns am Feuer bei Glühwein auf und suchen uns den schönsten Baum aus, den mein Mann feierlich mit der stumpfesten Säge freikämpft. Jedes Mal unterhaltsam.

Jetzt steht das hübsche Ding duftend bei uns im Wohnzimmer und ist zweitgeteilt: Ich schmücke eine Seite, Mann (und Tochter) die andere. Bisher habe aber nur ich mich verewigt, mein Mann spielt auf Zeit, glaube ich.

Und Weihnachten an sich? Feiern wir deutsch. Mit Bratwürsten (vegetarisch für ihn), Kartoffelstampf und Sauerkraut.

Vor Jahren haben wir Weihnachten bei seiner Familie gefeiert. Am 25.12., Christmas Day, ist da im Haus kein Treten mehr  – überall Geschenke und Verpackungen. Hat mich gestresst. Ihn auch – da ist er eher unamerikanisch. Aber trotz allem: Weihnachten in der Familie – das ist doch das schönste. Für mich – und für ihn natürlich auch. Das Los der Multikulti-Familien – demnächst steht für mich auch mal wieder ein amerikanisches Weihnachten an. Yay.

„Jingly jingle beeeeeeells, platistic snowflaaaaaakes.“ Haha.

It’s the mooooooost wonderful time of the yeeeeeaaaar. ❤

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s