Aleppo-Seife: Bio-Pflege aus dem Kriegsgebiet

Sie gilt als die älteste Seife der Welt: Aleppo-Seife. Hergestellt aus Oliven- und Lorbeeröl. Erfunden wurde sie vor 3000 Jahren in Syrien, in – man kann es sich beim Namen fast denken – genau – Aleppo, der zweitgrößten Stadt des Landes. Einer Stadt, in der seit Jahren ein grausamer Krieg herrscht. In der in vielen Straßen kaum noch ein unbeschädigtes Haus steht, in der die Menschen in Angst und Schrecken leben. Trotzdem wird hier weiterhin Seife hergestellt und in alle Welt verschickt. In Deutschland wird sie unter anderem von Jislaine Naturkosmetik vertrieben. Wir haben mit der Gründerin Anja-Kristina Voss gesprochen.

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Anja, wie bist Du auf die Idee gekommen, Seife aus Aleppo in Deutschland zu vertreiben?

Zufall! Ich habe vor Jahren einen ehemaligen Mitschüler wieder getroffen, der aus Syrien kommt. Er ist Apotheker und wollte Aleppo-Seifen, also Seifen aus seiner Heimat hier in Deutschland vertreiben und suchte jemanden mit BWLer Background. Zu der Zeit war ich noch bei einem großen internationalen Kosmetikhersteller beschäftigt. Der Freund ist irgendwann ausgestiegen, weil er zwei Apotheken eröffnet hat. Ich habe alleine weitergemacht und mein Sortiment noch erweitert.

Was ist denn das Besondere an der Aleppo-Seife?

Das Besondere ist erstmal, dass die Seife wirklich nur aus Oliven- und Lorbeeröl gemacht wird. Ohne Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe oder Parfum. Und natürlich wird auch kein Palmöl verwendet. Wobei das Lorbeeröl nicht das aus den Blättern, sondern das aus den Früchten ist. Und das ist antiseptisch. Die Seifen sind hautverträglich für alle Hauttypen – auch für sehr empfindliche. Und man kann sie auch für alle Hautpartien nehmen. Früher musste ich mich nach dem Duschen immer eincremen, mache ich jetzt nicht mehr, weil die Seifen sehr rückfettend sind. Man kann sie auch für die Gesichtsreinigung oder auch als Rasierseife benutzen. Auch Menschen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte schwören auf die Aleppo-Seife.

 

 

Wie genau wird die Seife denn hergestellt?

Erstmal wird Olivenöl mit Wasser und Soda erhitzt, später kommt das Lorbeeröl dazu. Die hellgrüne Paste wird danach in großen Becken verteilt, dort härtet sie aus. Am Ende wird sie in Handarbeit in gleichmäßige Stücke geschnitten und mit einem Siegelabdruck versehen. Das Besondere bei Aleppo-Seifen ist, dass sie sehr lange gelagert werden. Mindestens drei Monate, bei unserer Seifensiederei sind es sogar neun Monate. Und je länger eine Seife lagert und trocknet, desto besser ist sie nachher. Das ganze Wasser vertrocknet, sie schrumpft zusammen und dadurch ist sie sehr ergiebig.

 

 

In Syrien tobt seit fast sieben Bürgerkrieg. Viele Seifensiedereien sind zerstört worden oder mussten schließen. Unter welchen Bedingungen werden Eure Seifen produziert? 

Die Produktion findet tatsächlich immer noch dort statt. Unsere Seifensiederei ist in der Nähe von Aleppo, in Afrin. Das ist eine kurdische Enklave, die bisher weitgehend verschont geblieben ist vom Krieg. So unterstützt man natürlich auch die Mitarbeiter vor Ort. Die können weiterhin ihren Lebensunterhalt bestreiten und müssen nicht flüchten.

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Foto: (c) Jislaine

 

Du sagst, ihr seid weitgehend verschont geblieben. Wo gibt es denn Probleme oder Einschränkungen?

Generell beeinflusst der Krieg natürlich das Seifengeschäft. Es kommt immer wieder zu Wasserknappheit oder Stromausfall und das führt dann zu Lieferengpässen. Am schwierigsten ist es aber, die Ware aus dem Land zu bekommen. Das kostet manchmal sehr viel Geld, damit der Transport zum Beispiel geschützt wird. Seit zwei, drei Jahren haben wir aber eigentlich keine Lieferengpässe mehr. Ach und ich darf die Aleppo-Seife nicht mehr bei Amazon vertreiben, weil die USA ein Handelsembargo gegen Syrien haben und Amazon ja ein US-Unternehmen ist.

 

 

Wie kommen die Seifen dann hierher?

Unsere Seifensiederei wird von zwei Brüdern betrieben. Der eine ist direkt in Syrien, der andere in Frankreich. Alle Seifen gehen von Syrien erstmal in das Lager des Seifenlieferanten nach Lyon und werden von dort aus dann in die ganze Welt verschickt. Heißt: Ich bekomme die Ware aus Frankreich. Der Vorteil ist: Da werden dann auch gleich alle Tests, die man nach einer EU-Verordnung bei Kosmetik-Produkten machen muss, durchgeführt.

Ihr unterstützt die Initiative „Hilfe für Aleppo“ – was genau macht der Verein?

Der Verein wurde von einer Frau aus Syrien gegründet, die in Passau lebt. Die Spenden kommen immer einzelnen Menschen direkt zugute. Also es geht zum Beispiel an eine Mutter, die ihren Mann verloren und vier Kinder hat. Und das Geld kommt auch wirklich zu 100 Prozent dort an, es gibt keine Verwaltungskosten oder ähnliches. Ich finde es schön, dass die Menschen vor Ort unterstützt werden und weiter dort leben können.

Du hast Dir mit Jislaine ja noch ein bisschen was vorgenommen. Was ist als nächstes geplant?

Ein großes Thema ist aktuell Haarseife. Ich werde 2018 eine auf den Markt bringen. Der Vorteil bei Seifen ist grundsätzlich auch, dass man sehr viel Plastikmüll vermeidet. Eine Seife hält einfach viel länger als Duschgel oder Shampoo. Man verbraucht also nicht so viele Flaschen und Tuben.

Vielen Dank liebe Anja.

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Die Seifen machen sich übrigens auch gut als kleines Weihnachtsgeschenk. Oder einfach so.

Mit dem Code „heymuddi10“ bekommt ihr auch auf alle anderen Produkte im Sortiment bis zum 31.12.2017 10% Rabatt bei Jislaine Naturkosmetik. Cool, oder?

Hoho!

Jislaine Naturkosmetik unterstützt die Initiative „Hilfe für Aleppo e.V.“. Wenn ihr auch helfen wollt – alle Infos findet ihr hier: http://www.hilfe-fuer-aleppo.de

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