Von Trump bis Terror – wie erklärt man Kindern die Welt?

„Meine grundsätzliche Erfahrung mit Kindern ist, dass sie dankbar sind, wenn man Ihnen Dinge erklärt. Von Politikverdrossenheit ist, zumindest nach meinen Erfahrungen, GAR nichts zu spüren.“

Jennifer Sieglar, Ich versteh die Welt nicht mehr

Ein Auszug aus einer Unterhaltung mit meiner Siebenjährigen und ihrem Klassenfreund kürzlich bei uns am Abendbrottisch.

Sie: „Wer wird denn nun neuer Bundeskanzler?
Er: „Nicht der Mann mit dem Bart!
Sie: „Ist die Angela Merkel jetzt Bundeskanzlerin, Mama?
Ich: „Ähhh… Das ist noch nicht ganz klar.“
Sie: „Gibt es in Deutschland bald Krieg?“
Er: „Nee!! Wie kommst du denn darauf?
Sie: „Alle streiten immer im Radio! Und, Mama…?
Ich: „Ja?
Sie: „Warum ist der doofe Donald Trump jetzt der Boss?
Ich: „Puh…. Na – UNSER Boss ist er ja schonmal nicht…

Die Liste der Fragen ist quasi endlos. Und dann gerate ich manchmal selbst ins Grübeln, weiß ich auch nicht, was die beste Antwort ist. Die kinderfreundlichste. Die verständlichste. Mit „Das verstehst du noch nicht“ lassen sich diese beiden jedenfalls schon lange nicht mehr abspeisen.

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(c) Piper Verlag/Jürgen Nobel

Ein paar grundlegende Antworten auf aktuelle Themen geben diese beiden: Jennifer Sieglar und Tim Schreder sind es als logo! Moderatoren gewohnt, Dinge einfach und verständlich zu erklären. Ist ja ihr Job. Jetzt sind sie auch noch unter die Autoren gegangen. Finden wir toll!

Wir haben Jennie gefragt, ob das auch ein Buch für uns wäre, was ihrer Meinung nach die größte Herausforderung bei Kindernachrichten ist, und warum Kinder immer soooo viel wissen wollen.

heymuddi: Für wen habt ihr euer Buch nun geschrieben? Für uns Eltern? Oder Kinder?

Das Buch setzt quasi da an, wo das logo!-Gucken aufhört. Ich würde sagen, man kann das gut ab zwölf Jahren lesen. Bei Instagram bekommen wir total viel Zuspruch von Jugendlichen zwischen 13 und 16. Die sagen – „Boah, endlich erklärt mir das mal jemand. In der Schule versteh ich das nicht so richtig.“ Zum Beispiel wissen viele eben nicht, was genau da in Syrien los ist – Sunniten, Schiiten, keine Ahnung. Für die ist das Buch in erster Linie. Aber Erwachsene – Eltern – dürfen sich auch gern angesprochen fühlen 😉

heymuddi: Wie kamt ihr beiden auf die Idee für genau dieses Buch?

Es gibt ganz viele Erwachsene, die uns immer wieder sagen, dass sie nun endlich auch mal was verstehen, seit sie die logo!-Nachrichten mit Sohn oder Tochter schauen. 😉 Da haben wir gemerkt – Hey, es gibt anscheinenend ganz schön Erklärbedarf: Hintergrundwissen zu aktuellen Nachrichtenthemen. Wir dachten, da können wir doch Abhilfe schaffen – schreiben wir doch ein Buch, in dem wir die wichtigsten Nachrichenthemen, die immer wieder kommen, einfach, verständlich, und sogar ein bisschen unterhaltsam (je nach Thema) erklären. Damit sind wir dann zum Piper Verlag  und die fanden die Idee super.

heymuddi: Ab wann können Kinder eigentlich Nachrichten wirklich verstehen und auch verarbeiten? Einiges, was derzeit in Syrien, im Mittelmeer, aber auch hier bei uns passiert, ist schon für Erwachsene zum Teil schwer verdaulich. Was macht ihr bei logo!, damit Kinder keine Alpträume kriegen?

Ich finde es wichtig, dass sie keine schlimmen Bilder oder Geräusche zu sehen bekommen. Unsere Zielgruppe liegt bei acht bis zwölf Jahren. Wir bei logo! sind der Meinung, dass Kinder auf jeden Fall informiert werden sollten.

Kinder müssen nicht unbedingt vor Themen „geschützt“ werden – außer vor schlimmen Bildern. Wir würden nie jemanden zeigen, der verletzt ist, oder am Boden liegt, wir würde auch keine Waffen zeigen.

Wir achten da schon ganz genau drauf, weil solche Sachen bei Kindern eben „Kopfkino“ hervorrufen können. Da arbeiten wir auch mal mit gezeichneten Figuren, damit es etwas abstrakter wird, die Kinder es aber trotzdem verstehen. Bei einem Terroranschlag beispielweise zeigen wir eher die Aufräumarbeiten – wir versuchen also, die Dinge umzudrehen: weg von den Dingen, die passiert sind, hin zu Dingen, die dagegen unternommen werden.

Ab ca. acht Jahren kann man anfangen, mit Kindern über Nachrichten zu sprechen. Es gibt sicher welche, bei denen geht das auch schon früher und andere, die brauchen noch etwas länger. Da sollten Eltern genau hinschauen und selber einschätzen, wie weit die eigenen Kinder sind.

Meine grundsätzliche Erfahrung mit Kindern ist, dass sie dankbar sind, wenn man Ihnen Dinge erklärt. Von Politikverdrossenheit ist, zumindest nach meinen Erfahrungen, GAR nichts zu spüren.

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Foto: Privat

heymuddi: Zurück zum Buch: Kann man wirklich auf ein, zwei Seiten erklären, wie das ist mit Donald Trump oder Kim Jong Un? Ich meine, da werden ganze Masterarbeiten zu geschrieben? Und die haben dann doch nicht alle Details beleuchtet.

Klar, all umfassend kann man Dinge auf so kleinem Raum nicht erklären. Wir haben versucht, das Thema so kurz und verständlich wie möglich zu beleuchten. Das heißt es natürlich – Mut zur Lücke! Man hätte tatsächlich über jedes einzelne Thema mehrere Bücher schreiben können. Aber das wollten wir ja gar nicht. Ich würde jetzt einfach mal behaupten: Wenn man das Buch gelesen hat und danach Nachrichten schaut, dann hat man ein Grundwissen und versteht auch die neusten Wendungen.

heymuddi: Kinder (und Erwachsene) können euch ja direkt kontaktieren. Welche Frage hat euch in letzter Zeit besonders überrascht?

Die meistgestellte Frage von etwas Älteren auf Instagram ist: Wie werde ich Moderator? Und die meisten jüngeren Kinder wollen wissen: Warum gibt es eigentlich Krieg, und muss ich Angst haben vor Terroranschlägen? Da zeigt sich auch so ein bisschen der Zeitgeist der Generation, die im Moment heranwächst. Viele wollen berühmt werden – und sind geprägt von Terroranschlägen, die es in in den vergangenen Jahren gab. Das setzt Kindern auch ziemlich zu, weil die natürlich – genau wie wir Erwachsenen auch – Angst haben, dass ihnen so etwas auch passiert. Bei den Jüngeren ist die Angst nur etwas diffuser.

Wir sagen immer, auch in Absprache mit Psychologen, dass es ganz wichtig ist, mit den Kindern ganz viel darüber zu sprechen und ihnen klarzumachen, dass die Wahrscheinlichkeit doch ziemlich gering ist. Sie sollten versuchen, ganz normal zu leben. Und nicht in Angst!

heymuddi: Wie steht es also deiner Meinung nach um die politische Bildung junger Leute? Gibt es da einen Nachholbedarf? Was muss besser gemacht werden?

Das große Problem ist, dass sich viele junge Leute nicht angesprochen fühlen.

Die meisten Parteien verstehen es nicht, sich der Sprache der jungen Leute zu bedienen. Mal was einfach zu sagen. Da fühlen sich viele einfach nicht „abgeholt“.

Aber auch bei den Medien gibt’s Nachholbedarf, denke ich. Das Problem ist die fehlende Zeit. Eine „Tagesschau“ beispielsweise hat eben nur 15 Minuten. Aber wenn neue Entwicklungen im Nahen Osten immer nur verkürzt zusammengefasst werden – dann bleiben die, denen das nötige Hintergrundwissen fehlt, einfach auf der Strecke.

Danke, Jennie! ❤

logo! läuft samstags bis donnerstags um 19.50 Uhr und freitags um 19.25 Uhr bei KiKA und richtet sich in erster Linie an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren.

Ich versteh die Welt nicht mehr ist bei Piper erschienen und kostet 15€, als e-book 12,99€.

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