BERLIN, BABY! EIN WOCHENENDE ALLEIN

Samstagmorgen, 9:37. Ich öffne erst das linke, dann das rechte Auge. Mucksmäuschenstill ist es um mich herum. Ich schiele kurz auf mein Handy: Ein kleines E oben links. Kein Empfang. Ok, es ist ein Zeichen, denke ich. Und schlafe noch ne Runde weiter. 

Übers Wochenende Freunde in anderen Städten besuchen – ich liebe es. In Hamburg zum Beispiel, oder Berlin (oder Kiel – jedenfalls irgendwie zu weit weg). Mitunter arten solcherlei Wochenenden allerdings in Stress aus. Man versucht dann freunde-hopping-mäßig, allesamt in ein-eindreiviertel Tage zu quetschen. Nach solchen Wochenende bin ich oft ziemlich platt. Diesmal also anders: Zwar Berlin, aber mal ganz ALLEIN sein (schlafen, Wände anstarren und so). Mal nicht Sozialtierchen. Sondern: Einsiedler.


Ausschlafen zum Beispiel. Und zwar nicht nach einer Party-Nacht, mit Kopfschmerzen, sondern einfach so. Weil ich Bock drauf habe. (*Schlaaaaaaaafen! Eltern-Luxusgut No. 1. Ungeschlagen!)

Meine Freundin Anne hat mir eine kleine Wohnung bei sich um die Ecke in Kreuzberg besorgt, nachdem ich ihr von meinen Auszeit-Plan am Telefon erzählte. Die Wohnung ist gerade frei. Eigentlich wollte ich ja ins Hotel  – Frühstück wäre sicher auch lecker gewesen. In der Wohnung hab ich aber mehr Platz. Und ne Küche. Anne, die Liebe, die mich halt kennt, ist sie vorher einmal durchgewuselt und hat alle störenden Teppiche oder Kram entfernt und mir ne Wand freigeräumt (O-Ton an den Vermieter: „Meine Freundin mags puristisch“ – haha.)

10:05. Ok, Zeit für Frühstück. Im Bett. Ich stelle mir vor, was meine große Tochter sagen würde (und allllllllll die Krümel!) Ich habe Kaffee gemacht und schütte ein paar Getreideflocken in meinen Joghurt. Joghurt ist nämlich das einzige, was ich im Kühlschrank habe. Herrlich. Wie zu besten Studentenzeiten.

In meinem Kreuzberger Bett überlege ich kurz, ob ich zum Yoga gehen sollte, entscheide mich aber ziemlich schnell dagegen (zu viel Aufwand, echt jetzt).
Gestern Nachmittag war ich in Mitte unterwegs, in meiner alten Hood. (Und seither stelle ich mir die Frage, seit wann man da nur noch Englisch redet?)

Heute mache ich mich lieber auf zum Landwehrkanal, schaue vorbei im Halleschen Haus (Ich kaufe ein paar hübsche Kerzen für mein Wohnzimmer, übrigens das einzige, was ich an diesem Wochenende kaufe.) Danach schlendere ich weiter am Wasser entlang zum Neuköllner Stoffmarkt am Maybachufer (Hier gibts nicht nur jede Menge Stoffe, sondern auch Handgemachtes, Schönes und: jede Menge fantastisch duftendes Essen!)


Ich entscheide mich trotzdem lieber für eine ausgedehnte Mittagspause im Kaffee A.Horn (Hier gibts übrigens wirklich gute selbstgebackene Kuchen, eine ordentliche Auswahl an Lektüre und free Wifi – yay!). Ach so, und der Ausblick auf die Straße von meinem Platz am Panoramafenster ist auch hübsch.

 

Nach zweieinhalb Stunden hab ich genug gechillt, die Sonne ruft. Es geht weiter am Wasser entlang. Ich halte spontan an einer Bank an, um die Kanuten und Ausflugsschiffe zu beobachten, und die warme Herbstsonne fühlt sich herrlich gut an. Ich denke an zuhause und widerstehe dem Bedürfnis, zu fragen, ob alles gut ist Das machen die schon. (Oder?!)

Weiter schlendern. Vorbei am kleinen Sonnenblumenfeld (hach, Berlin!) in der Nähe der Ankerklause, immer weiter bis zur Pannierstraße, dann in die andere Richtung, zum Graefekiez, davor kurz überlegen, ins Kino zu gehen. Nee, ich hab plötzlich Lust auf Essen, heute mal kalifornisch, im  Powwoww (Die Super Tacos mit Hühnerfleisch sind übrigens wirklich super! Auch wenn die Portion gerne größer sein dürfte. Die Guacamole ist wie 95% der deutschen Guacamoles: viiiiiel zu cremig. Schade!)

Ich bin 12,7 km gelaufen heute, sagt mir mein smartes Telefon. Zwischenfazit auf dem Weg nach „Hause“: Ich habe an diesem Wochenende so wenig geredet wie wahrscheinlich schon seit Jahren nicht mehr. Dafür viel meinen Gedanken nachgehangen (welch ein Luxus!)

Und meine Familie vermisst. Sehr. Bei jedem Bolzplatz daran gedacht, wie cool Matilda den fände. Darüber gelacht, wie sehr ich jetzt Dinge glorifiziere, die früher einfach mal selbstverständlich waren (Stichwort: lange laufen, lange schlafen, lange EINE Sache machen.) Runtergekommen.

Sonntagabend, 21 Uhr. Wieder zuhause. Ein schönes Gefühl! Ich schleiche ins Kinderzimmer, wo beide schon schlafen, und schnuppere erst an dem einen, dann an dem anderen Kopf. Alles gut, Mama ist wieder da, sag ich. Mehr zu mir selbst.

Natürlich sind sie gut klargekommen. Und ich bin so erholt wie lange nicht mehr. Ich will das wieder machen. Nächstes Jahr. Dann fahr ich aber vielleicht wirklich mal in den Wald.

Macht ihr Auszeiten? Alleine? Habt ihr Tipps? Schreibt uns doch. Wir freuen uns!!!  🙂

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