URLAUB AUF „KAP KABELJAU“

Okay. Zugegeben. Urlaub auf Kap Kabeljau klingt jetzt nicht SO cool. Aber man muss ja auch nicht alles übersetzen. Also. Zweite Station unserer USA-Reise ist Cape Cod. Und diese Insel ist VERDAMMT cool! In dem Buch „Diese alte Sehnsucht“ von Richard Russo geht der Hauptfigur jedes Mal das Herz auf, wenn sie die Sagamore Bridge überquert, die das Festland mit der Halbinsel verbindet. Geht mir auch so. Einmal übers Wasser und schon ist man in einer anderen Welt. In der die Uhren irgendwie leiser ticken, die Zeiger sich langsamer bewegen. Unser Vermieter Brian (supersupersuperhost) bringt es auf den Punkt: „The pace of life is slower here“. Zehn Tage können wir uns davon überzeugen. Die Highlights:

Provincetown: Von Boston braucht man etwa eine gute Stunde nach Cape Cod. Provincetown liegt am obersten Zipfel, also ist man mindestens ne Stunde länger unterwegs. Aber schon die Fahrt über die Insel macht Spaß. Wir wohnen in der Commercial Street. Und weitere Straßennamen muss man sich eigentlich auch nicht merken. Denn dort passiert alles. In der Mitte ist es wuselig. Hier ist der Hafen und es gibt viele Restaurants, Bars und Lokale. Neben San Francisco zählt Provincetown zu den liberalsten Orten in den USA. Mindestens einmal am Tag kommt einem (im Zentrum) eine Drag Queen entgegen. Wird schnell so selbstverständlich wie der Postbote zuhause. Im East End reihen sich Gallerien, schöne kleine Geschäfte und süße Cafés aneinander. Sehr, sehr guten Kaffee gibt es im KOHI COFFEE, Shakes, Smoothies und Salate in der Grab’n Go Health Bar. Im West End ist es etwas ruhiger. Hier wohnen wir. Und sind trotzdem mittendrin. Direkt am ersten Tag lernen wir „Little Ricky“ kennen. Er sitzt jeden Morgen auf einer Parkbank, neben sich einen Kassetten(!)Rekorder, aus dem laut Klassikmusik scheppert, und liest. Also er hat ne Zeitung dabei. Meistens plaudert er aber mit den Leuten, die vorbeikommen. Und er lacht. Viel und laut. Und so wie er ist, sind viele Leute hier. Offen, lustig, interessiert und vor allem entspannt. Autos fahren geduldig im Schneckentempo den Fußgängern hinterher. Keiner scheint Stress zu haben. Wir lassen uns davon anstecken. Und haben eine richtig gute Zeit.

Whale Watching: Ich war mir nicht so sicher, ob eine (fast vierstündige) Bootstour mit unserer acht Monate alten Tochter so eine gute Idee ist. Es war die BESTE! Nach etwa einer Stunde Fahrt sind wir auf dem offenen Meer. Der Kapitän stellt den Motor ab. Alle sind auf einmal mucksmäuschenstill. Dann die Ansage aus dem Lautsprecher. „Ten o’clock“. Mist. Wo steht der Zeiger da nochmal? Vor lauter Aufregung mal kurz alles vergessen. Aber er ist NICHT zu übersehen. Der Wal! Ein Finnwal. Das zweitgrößte Tier der Welt. Wahnsinn. Er atmet, das Wasser spritzt wie eine Fontäne in die Luft. Und dann der große Moment: Die Flosse taucht aus dem Wasser auf und elegant wieder ein. Ein tolles Bild. Fotografisch leider nicht perfekt eingefangen, aber für immer im Kopf. Wir sehen noch weitere Wale. Haben offenbar eine gute Tour erwischt. Und Polly? Hat vor Freude laut gequietscht. Gut. Vielleicht hätte sie eine Forelle genauso glücklich gemacht. Uns aber nicht.

Endlos lange Strände: Wenn wir nicht über die Commercial Street schlendern, machen wir „beach hopping“. Zehn Tage, acht Strände. Zum Baden und Planschen ist die Buchtseite eher geeignet. Hier ist das Meer ruhiger und wärmer. Auf der Atlantikseite rauer, wilder und deutlich kälter. Die Strände sind scheinbar endlos lang und von hohen Dünen geschützt. So zum Beispiel Race Point Beach in Provincetown und Marconi Beach in Wellfleet. Bei Surfern besonders beliebt ist der Cahoon Follow Beach (auch in Wellfleet), bei Robben (und bei denen, die Robben sehen wollen) der Lighthouse Beach in Chatham. Den angeblich schönsten Sonnenuntergang sieht man am Herring Cove Beach. Direkt vor unserer Haustür. Es wird zum Ritual. 18 Uhr. Zum Strand. Picknickdecke ausbreiten. Setzen. Warten. Gucken. Staunen. Der Himmel verfärbt sich. Rot, gelb, orange, lila. Um uns herum flackern Lagerfeuer. Und dann das Finale: Langsam, gaaaanz langsam versinkt die Sonne im Meer. Kitschig. Aber schön.

Vorgärten: Es ist anstrengend mit mir. Ich komme kaum an einem Vorgarten vorbei, ohne ein Foto zu machen. Die Leute schaffen sich hier kleine Oasen. Und nutzen sie. Sitzen auf ihren Schaukelstühlen – zwischen duftenden Blumen und Sträuchern. Ich bin begeistert. Und etwas neidisch. Wie machen die das? Ich schaffe es zuhause nicht mal, drei Pflanzen auf dem Balkon heil durch den Sommer zu bringen. Diese schönen Vorgärten gibt es auf der ganzen Insel. Vor kleinen, bunt angestrichenen Holzhäusern. Zusammen bilden sie ganz zauberhafte Dörfer und kleine Städte. Besonders zu empfehlen: Falmouth, das Künstlerdorf WellfleetSandwich. Hier unbedingt eine hausgemachte Quiche in Beth’s Bakery&Café probieren und über den Boardwalk zum Sandy Neck Beach laufen. Lust auf frischen Fisch? SEHR frischen Fisch? Dann ab zum Fish Pier Market in Chatham. Hier landet der Fisch vom Kutter direkt in der Pfanne – danach nur leider in einer Styropor-Box. Dafür gibt’s einen Punktabzug.

Lobster, Eis, Lobster-Eis: „The best lobster roll on Cape Cod“. Dieses Schild steht nicht vor einem Laden, nein, vor fast jedem. Kann ja irgendwie nicht sein. Wer es aber jetzt tatsächlich am besten drauf hat, Lobsterfleisch in ein Hotdog-Brötchen zu drücken, kann ich auch nach zehn Tagen nicht sagen. Aber ich kann sagen: Lobster rolls schmecken. Richtig gut sogar. Also unbedingt probieren. Zum Beispiel bei Seafood Sam’s. Und zum Nachtisch ein Eis. Es gibt auf der Insel mindestens so viele Eis- wie Lobsterdealer. Und trotzdem steht man vor einigen Eisdielen in der Schlange. Anstellen lohnt sich unter anderem bei Lewis Brothers Homemade Icecream in Provincetown oder bei Ben&Bill’s in Falmouth. Bei Letzterem kann man sich auch ne Kugel Lobstereis bestellen. Das hab ich dann doch gelassen und mich für eine der anderen 31!!! Sorten entschieden.

#Reisezeit: Spätes Frühjahr oder früher Herbst. Im Sommer ist es sehr voll auf der Insel.

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